Mal Ort

Calw

Die „dienende Rolle“

Als „Malspiel-Dienende“ schaffe ich einen Spielraum mit wertschätzender Atmosphäre und achte auf jeden einzelnen Menschen. Ich sorge dafür, dass die Spielregeln eingehalten werden, dass beispielsweise niemand über das Bild eines anderen urteilt. Vor allem gebe ich keine Anregungen, keine Themen vor und mische mich nicht in den Malprozess ein. Ich belehre und korrigiere nicht.

Als Erstes pinne ich das Papier an der gewünschten Stelle und Höhe fest. In der „dienenden Rolle“ sorge ich dafür, dass die Malspielenden im Malfluss bleiben können. Ich versetze Reißnägel, die beim Malen stören und wasche Pinsel aus, die mit anderer Farbe verunreinigt wurden. Ich mische einen gewünschten Farbton und fange Tropfen auf, wenn doch mal welche übers Papier laufen. Schemel, Leiter oder Sitzkissen bringe ich, um bequemes Malen zu ermöglichen. Das fertige Bild hänge ich ab und versehe es auf der Rückseite mit Namen und Datum und lege es dann in die Archivmappe.

Die Bilder entstehen in einem geschützten Raum und unterliegen diesem Schutz auch weiterhin. Sie werden in einem Archivregal aufbewahrt. Selbstverständlich können die Malspielenden ihre Bilder jederzeit einsehen.

Andrea Erath

Das Malen selbst

Das Malspiel unterliegt bestimmten Spielregeln und bietet gleichzeitig völlige Freiheit. Es gibt kein vorgegebenes Thema, keinen Impuls, sondern jeder malt das, was sich ihm aufdrängt. Jeder folgt seiner eigenen inneren Spur.

Manch einer greift sofort zu einem Pinsel und beginnt zu malen – dies kann oft nicht schnell genug gehen! Manch einer ist ratlos und findet dann aber auch seinen Anfang.

Gemalt wird üblicherweise 90 Minuten, jüngere Kinder malen evtl. auch nur 45 Minuten.

Wieviele Bilder in dieser Zeit gemalt werden, ist unerheblich – manche Menschen malen sehr schnell mehrere Bilder hintereinander, andere wiederum widmen sich die ganze Zeit nur einem Bild, das sie sehr geduldig und detailliert gestalten.

Bemerkungen über das Bild sind tabu. Weder Lob noch Verbesserungsvorschläge sollen geäußert werden.

Die Atmosphäre während des Malspiels kann sehr unterschiedlich sein: Es kann still sein, wenn sich jeder auf seinen Malprozess konzentriert, es wird aber auch herzhaft gelacht und sich unterhalten. Nie sollen jedoch die Bilder Gegenstand der Gespräche sein. Denn nicht das Ergebnis ist entscheidend, sondern das Erlebnis. Es kommt beim Malspiel nicht darauf an, was auf dem Papier entsteht, sondern auf den Malprozess, auf das Malen ohne Zweck und Ziel.

Rosa

Die Malgruppe

Im Idealfall nehmen am Malspiel Menschen verschiedenen Alters teil – vom Kindergartenkind bis zum Senior. So spiegelt sich in der Gruppe die Heterogenität der Gesellschaft wider. Die Konkurrenz, die häufig unter Gleichaltrigen herrscht, entfällt durch die altersgemischte Zusammensetzung.

Bevor wir mit dem Malspiel beginnen, zieht sich jeder einen Malkittel an, der die Kleidung schützt, aber auch die Einheit der Gruppe betont und individuelle Merkmale überdeckt.

Das Material

Auf dem Palettentisch befinden sich 18 Farben in bestimmter Reihenfolge und die dazugehörigen Wasserbehälter. Diese speziell für das Malspiel konzipierten Farben sind auf natürlicher Basis hergestellt. Sie enthalten unter anderem Salbeiöl und Pigmente, sind wasserlöslich und dickflüssig, damit das Malen an der senkrechten Fläche auch ohne Tropfen möglich ist. Die hochwertigen Pinsel aus Naturhaar können besonders viel Wasser und Farbe aufnehmen und eignen sich für das Bemalen großer Flächen ebenso, wie für das Malen von Feinheiten. Jeder Farbe sind jeweils ein dicker und zwei dünne Pinsel zugeordnet.

Blau

Das Malspiel

Mit Pinsel und Farbe die eigene Spur finden

Freude am Tun spüren, dabei Raum und Zeit vergessen, den „Flow“ erleben und einfach nur der inneren Motivation folgen. Für eine Weile Effizienz und Leistungsdruck vergessen dürfen, sind das nicht besonders beglückende Momente? Das Malspiel nach Arno Stern kann Kindern – und auch Erwachsenen – ein solches Erlebnis ermöglichen.

Malort

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